Vergangen

Stop making sense, it’s as good as it gets. / Start

19.04.2017, 19 Uhr

Start des Programms mit
Johanna Meyer-Grohbrügge / Architektur
Tom McCarthy / Office
Marie-France Rafael / Film
Ludwig Engel, Joanna Kamm, Quentin Walesch – Mandala/Mandela Effekt / Publikation

Reden 19.30 Uhr
Ludwig Engel, Joanna Kamm und Johanna Meyer-Grohbrügge

Konzept und Programm
Ludwig Engel und Joanna Kamm

Laufzeit
April 2017 – Juli 2018

Programmort
BNKR, Ungererstraße 158, 80805 München

 
Was passiert, wenn wir nicht in und von der Vergangenheit und Zukunft träumen, sondern uns in einer Vorstellung von Gegenwart bewegen, in der alles gleichzeitig vorhanden ist und die lineare Struktur von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft nur eine Möglichkeit von vielen darstellt?

Stop making sense, it’s as good as it gets. ist aus der Lektüre des Romans Satin Island von Tom McCarthy entstanden: einem Bericht über die Unmöglichkeit im Präsens anzugelangen, eine Erzählung über das Scheitern des Schreibens eines großen Berichts der Gegenwart. Stop making sense, it’s as good as it gets. ist kein Event, keine Ausstellung, kein Symposium, auch nicht eine Serie davon, es ist ein Programm. Über 15 Monate wird aus unterschiedlichen Perspektiven erforscht, inwieweit neue und nicht abgesicherte Erzählstrukturen, Musterbildungen, Zusammenhänge und Zustände in Kunst, Literatur, Architektur und Wissenschaft Möglichkeiten beinhalten über ‚Gegenwarten’ zu sprechen: mal offensichtlich, mal versteckt, mal im klassischen Format, mal als Fiktion, im BNKR und dem Stadtraum München, gleichzeitig, nebeneinander und hintereinander.

Starten wird Stop making sense, it’s as good as it gets. am 19. April 2017 mit einer architektonischen Intervention von Johanna Meyer-Grohbrügge, die wortwörtlich den Rahmen für die gesamten 15 Monate spannt: mit Seilen vernetzt die Architektin die Betonarchitektur vom BNKR über die beiden Stockwerke, verbindet die sonst durch massive Wände und Decken getrennten Räume und bildet ein neues Muster aus Formen und Informationen, welches die existierenden Ausstellungsräume erweitert. Die Seile bilden ein flexibles Hängesystem, das für die Gestaltung der einzelnen Programmpunkte genutzt werden kann.

Innerhalb des neuen Netzwerks beginnt im Untergeschoß eine von Tom McCarthy aus London angeleitete Re-inszenierung des Büros von „U“, dem Protagonisten und Anthropologen aus Satin Island. Den Instruktionen des Autors folgend, werden über die 15 Monate Rechercheergebnisse zu Themen wie die Schönheit von Ölflecken, der Bedeutung eines Fallschirmabsturzes oder der Verbindung von Levi’s Jeans zur Philosophie hinzugefügt – und der Abwesenheit Tom McCarthys damit eine größtmögliche Präsenz und Gegenwart verliehen.

Vom ersten Programmtag an starten ebenfalls die Arbeiten an Film als Ausstellung / Ausstellung als Film von Marie-France Rafael in Zusammenarbeit mit An Laphan, die sich über die gesamte Programmlaufzeit sich erstrecken wird: Indem der Entstehungsprozess des Films mit dem des Programms verschmilzt, werden Prozesse des Drehs, der Montage und der Postproduktion ebenso ‚ausgestellt’, wie die Aktivitäten im BNKR selbst zum Schauplatz des Films werden. Film und Ausstellung werden damit von Rafael in einer rekursiven Geste gleichermaßen als Aktuelles (BNKR) und Virtuelles (Internet etc.) inszeniert.

Auch die erste Edition der mit Quentin Walesch erarbeiteten Publikationsserie wird am 19. April präsentiert, auf die über das Jahr verteilt weitere folgen werden. Jede Edition versammelt nicht nur bereits realisierte Ideen, sondern bedient sich des Mandala/Mandela Effekts: Beim Mandela Effekt geht es um das kollektive falsche Erinnern an vermeintlich historische Fakten, während der Mandala Effekt aus dem falschen Erinnern des Begriffs Mandela Effekt entstanden ist. Mit dem Mandala/Mandela Effekt werden Ideen, die im Kontext des Programms absolut Sinn machen, die jedoch nicht realisiert werden können, in die Historie von Stop making sense, it‘s as good as its gets. implementiert und damit Teil der kollektiven Erinnerung an das Programm.

 

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Fotografie: Filmstill „Stop Making Sense“, 1984